CfP: Warum (noch) wählen? Demokratie und die Digitalisierung des Demos (DVPW-Kongress)

Für den vom 14.-16. September 2021 stattfindenden DVPW-Kongress „Wir haben die Wahl! Politik in Zeiten von Unsicherheit und Autokratisierung“ ist jüngst der offene Call for Papers veröffentlicht worden. Noch bis zum 28. Februar habt ihr die Möglichkeit, euch mit Papieren auf insgesamt 98 offene Panelveranstaltungen zu bewerben. Auch von unserer Seite wird es ein Panel geben, konkret verantwortet Thorsten, gemeinsam mit Andreas Jungherr (Jena), einen Panelvorschlag mit dem Titel „Warum (noch) wählen? Demokratie und die Digitalisierung des Demos“ (P197). Die Beschreibung für dieses und viele weitere Panel findet ihr hier auf der DVPW-Kongressseite, hier als auch nicht sehr übersichtliche PDF oder einfach (aber nur uns) direkt unten. Es gibt viele tolle Themen und wir freuen uns sehr über Einreichungen! Alle Infos – und die Eingabemaske – hier auf der Seite.

Warum (noch) wählen? Demokratie und die Digitalisierung des Demos (P197)

Die datenintensive Vernetzung von Wählerschaft und Repräsentant:innen ist ein Großtrend der letzten Dekade. Was zu Beginn des Jahrtausends noch als digitaler Wiedergewinn der bürgernahen und subsidiären „Jeffersonian Democracy“ begrüßt wurde, wird gegenwärtig aber sehr viel skeptischer diskutiert. Herausgegestellt werden die Risiken von Manipulation und Bevormundung sowie der Einfluss von Werbeindustrie und Plattformunternehmen. Eine umfassende Verunsicherung über das Auseinanderfallen des medialen Erfahrungsraums und des demokratischen Erwartungshorizonts politischer Willensbildung ist spürbar. Das Vertrauen in demokratische Entscheidungsfindung sinkt, während das allgemeine Gefühl von Unsicherheit in westlichen Demokratien steigt. Während die Vermessung des politischen Subjekts als solches – bspw. durch die Demoskopie – eine lange Tradition hat und politikwissenschaftlich als gut reflektiert gelten darf, steht die Untersuchung der digitalen Vermessung des Demos noch ganz am Anfang. Demokratische Anforderungen an reflektierte Willensbildung der Bürger*innen treffen hier auf mediale Umgebungen, in denen die Datennutzung nicht alleine mit dem Versprechen auf Einsicht, sondern auf Steuerung verbunden ist. Topoi der Verfügbarkeit, kybernetische Steuerungsutopien und behaviouristische Konzepte auf Basis psychometrischer Profilbildung setzen, verbunden mit den Anreizen der Plattformökonomie, das Leitbild der urteilsfähigen Bürger*in als Referenzpunkt demokratischer Legitimität unter Druck. Die Gefahr einer Autokratisierung mittels Kontrolle und gezielter Manipulation nimmt zu.

Das Panel wird demokratietheoretische Perspektiven und Diskurse in der empirischen Politikforschung zu Wahlen und Digitalisierung zusammenbringen, um so neue Perspektiven auf Wahlen, Wählerbeobachung und politische Willensbildung zu generieren. Im Fokus steht die Frage,welche Formen der Datafizierung im Kontext von Wahlen zu beobachten sind und welche Folgen sich daraus für die Demokratie ergeben.

Leseempfehlung: Artikel von Thorsten zu digitaler Souveränität in der FAZ

Die Forderung nach „Digitaler Souveränität“ hat derzeit Konjunktur – aber was impliziert der Begriff eigentlich und welches Konfliktpotential birgt er? Dieser Frage geht Thorsten in einem heute (25.01) in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichten ganzseitigen Artikel nach. In ihm reflektiert er den begrifflichen Aufstieg digitaler Souveränität und die Ereignisse, die unser gegenwärtiges Verständnis prägen und den Begriff so zentral für den politischen Diskurs machen.  Zugleich problematisiert er aber Souveränität und schlussfolgert, dass es längst bessere, demokratischere Antworten auf die Herausforderunen der digitalen Konstellation gebe als das stets nach Kontrolle strebende und wenig zum europäischen Projekt passende Konzept der Souveränität. Nachzulesen ist der Text hier in der heutigen Ausgabe der FAZ (Multimedia-Edition) — Update: Und mittlerweile auch hier auf der Webseite der FAZ.

POLKOMM 21: Meinungsbildung und Meinungsmacht in dissonanten Öffentlichkeiten

Die Anmeldung zur POLKOMM 21 ist offen! Interessierte können sich unter team@polkomm2021.de kostenlos anmelden.

Die POLKOMM 21 findet am 12. Februar 2021 virtuell unter dem Titel „Meinungsbildung und Meinungsmacht in dissonanten Öffentlichkeiten“ statt. Es erwarten Euch 17 spannende Vorträge und eine Keynote von Axel Bruns. Hier geht es zum Programm. Die gemeinsame Jahrestagung der Fachgruppe „Kommunikation und Politik“ der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), des Arbeitskreises „Politik und Kommunikation“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) und der Fachgruppe „Politische Kommunikation“ der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM) wird in diesem Jahr vom Weizenbaum-Institut gehostet und findet aufgrund der Corona-Pandemie komplett online statt. Mit der Anmeldung erhalten die Teilnehmer*innen den Link zur Tagung. Außerdem wartet auf alle, die sich bis zum 29. Januar angemeldet haben, eine kleine Überraschung!

Jahresrückblick 2020: DigiDem

2020 neigt sich dem Ende zu und auch für unsere Forschungsgruppe schließt sich so der Kreis eines außergewöhnlichen Jahres. Doch bevor wir ihm den Rücken kehren, wollen wir mit euch noch einmal einen Blick zurückwerfen auf das, was uns im letzten Jahr beschäftigt hat, die – teils ungewöhnlichen – Formate mit denen wir unserer Arbeit nachgingen und die Menschen, die uns in diesem Jahr begleitet haben.

Los geht’s mit: Corona. Klar, auch die Arbeit bei uns war wesentlich von der Pandemie und ihrer Bekämpfung geprägt, mit dem Nebeneffekt, dass wir problemlos einen Fotokalender fürs neue Jahr mit Zoom-Screenshots unserer Forschungsgruppe füllen könnten. Aber das ist nicht worauf wir hinaus wollen, vielmehr hat Corona und die gesellschaftlich-politischen Folgen auch als Forschungsgegenstand unser Jahr geprägt. Jeanette Hofmann hat aus einer Infrastrukturperspektive über die Corona-App und Contact Tracing geschrieben und wir anderen haben im Laufe der Monate einen genaueren Blick auf den WirVsVirus Hackathon und dessen demokratietheoretische Bewertung geworfen: In den WZB-Mitteilungen noch vor allem die darin stattfindende Konstitution einer Krisengemeinschaft in den Blick nehmend, haben wir den Hackathon mittlerweile noch weiter aufgearbeitet und hoffen im neuen Jahr eine vielschichtigerer Abhandlung im längeren Journal-Format präsentieren zu können. In der fragen wir dann aus repräsentationstheoretischer Perspektive nach demokratischen Verdiensten und Versäumnissen. Weiterlesen

Neue Publikation: Digital Sovereignty

In der Reihe „Concepts of the Digital Society“ der Zeitschrift Internet Policy Review ist ein neuer Aufsatz von Thorsten mit dem Titel „Digital Sovereignty“ erschienen (gemeinsam mit Julia Pohle). In diesem gehen die beiden der Frage nach, wie das Konzept digitaler Souveränität seine heutige Popularität erlangte. Von den Anfängen des Diskurses zu Cybersovereignty bis hin zum heutigen, sehr umfassenden Souveränitätsverständnis zeichnen sie nach, wie Souveränität diskursiv (re-)produziert wird und was insbesondere auf deutscher und europäischer Ebene mittlerweile mit dem Begriff gemeint wird. Neben dem Aufsatz sind auch vier weitere neue Konzepte veröffentlicht worden – insgesamt nun elf -, die einen Blick lohnen: Cybersecurity, Algorithmic Bias, Digital Commons, Smart Technologies. Alle Konzepte finden sich hier und hier kommt ihr direkt zu unserem Aufsatz (selbstverständlich Open Access). Weiterlesen

Publikation: The Digital Constellation

Der von  Sebastian, Niklas und Thorsten gemeinsam verfasste und Mitte des Jahres zunächst in der Zeitschrift für Politikwissenschaft erschienene Aufsatz „Die digitale Konstellation. Eine Positionsbestimmung“ liegt nunmehr auch in einer englischen Version vor. Als „The Digital Constellation“ betitelt, haben wir den Text leicht aktualisiert und übersetzt nun zunächst als Weizenbaum Working Paper No. 14 veröffentlicht. Englische wie deutsche Fassung sind Open Access und wir freuen uns sehr über Interesse und Feedback! Hier geht es zur PDF: Englisch / Deutsch. Weiterlesen

Kolloquium mit Enrico Peuker

Wir freuen uns sehr, dass wir heute mit Enrico Peuker als Gast wieder einen rechtswissenschaftlichen Schwerpunkt in unserem Lektürekolloquium setzten konnten. Peukers in diesem Jahr erschienene Habilitation  „Verfassungswandel durch Digitalisierung. Digitale Souveränität als verfassungsrechtliches Leitbild“ beschäftigt sich mit den Reaktionen des Grundgesetztes auf die Digitalisierung in den Kontexten der digitalen Infrastrukturen und der „digitalen“ Grundrechte. Wir danken für die spannende Sitzung und denken: Jurist*innen und Sozialwissenschaftler*innen sollten viel öfter zusammen diksutieren.

Fellowship von Irina Kalinka

Seit diesem Monat ist Irina Kalinka als Fellow bei uns in der Forschungsgruppe. Irina schreibt derzeit ihre Dissertation am Institute of Modern Culture and Media der Brown University, Rhode Island. Ihre Arbeit trägt den Titel „User Democracy – A Political Theory of Digital Logics“ und beschäftigt sich mit dem wandelnden Demokratieverständnis in der digitalen Konstellation, wobei sie für ein radikal-demokratisches Verständnis von Plattformen als digitale Öffentlichkeiten argumentiert. Herzlich willkommen, Irina!

Neue Publikation: Zur Konstitution der digitalen Gesellschaft

Es gibt eine neue Publikation aus unserer Forschungsgruppe: Sebastian hat gemeinsam mit Daniel Staemmler (Humboldt Universität zu Berlin) im neuen Sammelband „Demokratietheorie im Zeitalter der Frühdigitalisierung“, herausgegeben von Michael Oswald und Isabelle Borucki, den Beitrag „Zur Konstitution der digitalen Gesellschaft. Alternative Infrastrukturen als Element demokratischer Digitalisierung“ veröffentlicht. Am Beispiel des sozialen Mediums „Mastodon“ argumentieren die Autoren, dass auch die Konstitutionsweise digitaler Infrastrukturen politiktheoretisch als Institutionalisierung verstanden werden sollte, was eine Reflektion über die demokratische Qualität der Digitalisierung ermöglicht.

Kolloquium mit Andreas Jungherr

Zu unserem wöchentlichen Lektürekolloquium haben wir uns wieder einen Gast eingeladen: Andreas Jungherr, Professor für Digitalisierung und Öffentlichkeit an der Universität Jena, hat sein neues Buch „Retooling Politics. How Digital Media are Shaping Democracy“ (Co-Autoren: Gonzalo Rivero und Daniel Gayo-Avello) präsentiert und mit uns für zwei Stunden alle Fragen rund um Veränderung der Demokratie in der digitalen Konstellation erörtert. Gemeinsam haben wir etwa diskutiert, wie groß der Einfluss digitaler Medien auf die Politik jenseits populärer Debatten tatsächlich ist, was dies für politische Akteure und deren Handeln bedeutet und wie der Einfluss des Digitalen auf die Politik sinnvoll theoretisch zu fassen ist. Es war eine tolle Diskussion und ist ein spannendes Buch. Danke fürs Vorbeischauen!