Lektüreworkshop: Feministische Theorien der Digitalisierung

Nach langer Pause konnten wir am 15. Oktober endlich unsere Lektüreworkshopreihe wieder aufnehmen. Das Thema diesmal: Feministische Theorien der Digitalisierung – feministische Theorien der Demokratie. Feministische Perspektiven auf Digitalisierung haben eine lange Tradition: Schon in den 80er-Jahren imaginierten Cyberfeministinnen, wie uns neue Technologien aus der binären Geschlechterordnung befreien könnten. Heutzutage gehören Feministinnen zu den Stimmen, die oft besonders früh und nachdrücklich auf die potentiell herrschaftsverstärkenden Effekte der unreflektierten bzw. unregulierten Anwendung digitaler Technologien hinweisen, beispielsweise im Kontext von Hate Speech, Überwachung oder algorithmischer Entscheidungssysteme. Über diese historische Entwicklung, die Auswirkungen auf Macht und Herrschaft und das Verhältnis zur Demokratie haben wir einen Tag lang intensiv diskutiert. Besonders gefreut haben wir uns dabei über die Unterstützung durch unsere externen Expertinnen Francesca Schmidt und Katharina Hoppe. Katharina Hoppe hat mit Die Kraft der Revision jüngst eine umfassende Studie über das Gesamtwerk Donna Haraways verfasst und Francesca Schmidt mit Netzpolitik. Eine feministische Einführung die erste umfassende Darstellung feministischer Analysen aus diesem Feld vorgelegt.

Beitrag von Julia Pohle und Thorsten Thiel: Digitale Souveränität

Der neue Sammelband von Chris Piallat „Der Wert der Digitalisierung. Gemeinwohl in der digitalen Welt“ ist jetzt bei transcript erschienen und als Open Access verfügbar. Mit dabei ist auch ein Beitrag von Julia Pohle und Thorsten zu Digitaler Souveränität. Die beiden beleuchten darin kritisch die Karriere des Konzept der digitalen Souveränität in Deutschland und Europa und den dazugehörigen Diskurs. Zudem erörtern sie aus einer normativ-demokratietheoretischen Perspektive die Defizite der gegenwärtigen Verwendungsweise und schlagen vor, wie die zentralen Werte von Demokratie und Gemeinwohl von progressiven Akteur*innen besser vorgetragen werden können.

Karoline in MDR-Beitrag zu politischen Mikro-Influencern

Welchen Einfluss hatten politische Mikro-Influencer:innen im Bundestagswahlkampf? Und wurde ihr Einflusspotenzial in den sozialen Medien auch von Parteien genutzt? Zu diesen Fragen erschien am 22. September ein Beitrag auf mdr online, zu welchem Karoline Helbig gemeinsam mit Halina Bause als Expertin hinzugezogen wurde. In dem Beitrag spricht Karoline über die Interaktion der politischen Mirko-Influencer:innen mit ihren Followern und die Rolle von Authentizität. Hier geht’s zum Beitrag.

Karolines ausführlichen Beitrag zu politischen Influencer:innen aus den WZB-Mitteilungen gibt es hier.

Publikation in der PVS: Civic Hackathons und der Formwandel der Demokratie

Unsere neueste Publikation Civic Hackathons und der Formwandel der Demokratie. Eine repräsentationstheoretische Analyse von #WirVsVirus“ ist jetzt Open Acces in der Politische Vierteljahresschrift (PVS) erschienen. Darin nehmen wir den Fall des zu Beginn der Coronapandemie organisierten und von der Bundesregierung unterstützten Civic Hackathons #WirVsVirus zum Ausgangspunkt, um die demokratietheoretischen Implikationen dieses technologisch orientierten Handlungsformats zu diskutieren. In dem gemeinsam von Sebastian, Veza, Rebecca, Niklas und Thorsten verfassten Aufsatz wird mithilfe eines repräsentationstheoretisches Ansatzes untersucht, wie unterschiedliche Ansprüche gesellschaftlicher Gestaltung in und durch Civic Hackathons erhoben und verhandelt werden. Dabei lässt sich erkennen, dass der Hackathon eine erfolgreiche Durchsetzung der Repräsentationsansprüche von Civic-Tech-Initiativen an den administrativen Staat darstellt. Mitten in der Krise etablieren sie ein neues Format, das effiziente und subsidiäre Problemlösungen verspricht. Der demokratische Beteiligungsanspruch des Hackathons wird hingegen nur partiell eingelöst: Zwar ermöglicht das Format ein offenes, öffentlichkeitswirksames Einbringen von Vorschlägen. Aufgrund der technologisch-organisatorischen Struktur und des kompetitiv-lösungsorientierten Verfahrensmodus verbleiben Handlungs- und Entscheidungsmacht jedoch weitgehend bei den Organisator*innen.

Podcast zum Weizenbaum-Forum am 14. September 2021: #BTW21 – Social Media im Bundestagswahlkampf

Die Diskussion von Ulrike Klinger, Isabelle Borucki und Christina Dinar, moderiert von Thorsten, gibt es jetzt auch als Podcast zum Nachhören. In der September-Ausgabe des Weizenbaum-Forums ging es u. a. darum, wie politische Parteien soziale Medien für ihre Wahlkampf nutzen und wie transparent Online-Plattformen wie Twitter oder Facebook mit politischer Werbung umgehen. Vorgestellt wurden in diesem Zusammenhang auch Daten und Erkenntnisse aus dem Projekt „Zahlen zur Wahl“ – eine Kooperation des Weizenbaum-Instituts, der European New School of Digital Studies, der NRW School of Governance und des Leibniz-Instituts für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut. Hier geht’s zur Folge.

Thorsten zu Gast beim Medienzirkus-Podcast

Am 9. September war Thorsten beim Medienzirkus-Podcast von Greta Linde zu Gast. Diskutiert wurde, was Digitalisierung politisch bedeutet und wie sie sich auf unsere Demokratie auswirkt. Auch die bevorstehende Bundestagswahl war Thema: Hat Social Media einen großen Einfluss und ließe sich der deutsche Wahlkampf ähnlich manipulieren wie der zum Brexit-Votum? Zudem ging es auch darum, wie sich die Corona-Pandemie auf die Digitalisierung in Deutschland ausgewirkt hat.

Die Folge gibt es hier noch einmal zum Nachhören:

DVPW-Kongress 2021: Warum (noch) wählen? Demokratie und die Digitalisierung des Demos – Das DigiDem-Panel

Der diesjährige DVPW-Kongress steht an: Vom 14. bis zum 16. September findet der 28. wissenschaftliche Kongress der DVPW unter dem Motto „Wir haben die Wahl! Politik in Zeiten von Unsicherheit und Autokratisierung“ mit zahlreichen Panels, Versammlungen, Lectures und Querschnittsveranstaltungen statt. Hier geht’s zum Programm.

Auch Thorsten und Sebastian werden auf einem der Panel vertreten sein: Thorsten verantwortet gemeinsam mit Andreas Jungherr von der Universität Bamberg am Donnerstag (16. September, 16:30 Uhr) das Panel „Warum (noch) wählen? Demokratie und die Digitalisierung des Demos“ . In dem Panel werden demokratietheoretische Perspektiven und Diskurse in der empirischen Politikforschung zusammengebracht. Es geht es um die datenintensive Vernetzung von Wähler*innen und Repräsentant*innen. Sebastian ist einer der Panelist*innen und wird über „An engine, not a camera: Eine Genealogie der Verdatung des Demos im Lichte repräsentationstheoretischer Überlegungen“ reden. Wir freuen uns sehr über Mitdiskutanten und überhaupt auf den ganzen Kongress!

Weizenbaum-Forum am 14. September zum Bundestagswahlkampf

Unter dem Titel „#BTW2021 – Social Media im Bundestagswahlkampf“ findet am 14. September das nächste Weizenbaum-Forum statt. Dabei geht es darum, wie politische Parteien soziale Medien wie Twitter, Facebook oder Instagram für ihren Wahlkampf nutzen. Welche Hashtags trenden, während andere kaum Aufmerksamkeit generieren? Und gibt es Anzeichen für manipulierte Wahl-Kampagnen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Projekt „Zahlen zur Wahl“, eine Kooperation des Weizenbaum-Instituts, der European New School of Digital Studies, der NRW School of Governance und des Leibniz-Instituts für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut. Ein Team aus Wissenschaftler:innen und Studierenden untersucht bis zur Bundestagswahl am 26. September die Social-Media-Aktivitäten der politischen Parteien und Politiker:innen und veröffentlicht dazu kontinuierlich Berichte, Daten und Grafiken.

Beim Weizenbaum-Forum wird es drei Impulsbeiträge von Ulrike Klinger, Isabelle Borucki und Christina Dinar mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung aus dem Projekt „Zahlen zur Wahl“ geben. Moderiert wird das Forum von Thorsten aus unserer Forschungsgruppe.

Mehr Informationen und Anmeldung hier.

Fellowship von Ronja Kniep

Wir freuen uns, diesen Monat noch eine weitere Fellow bei uns begrüßen zu dürfen: Ronja Kniep ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe „Politik der Digitalisierung“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Doktorandin an der FU Berlin. Sie forscht zu Kommunikationsüberwachung, Geheimdienstkooperation, demokratischer Nachrichtendienstkontrolle und Digitalpolitik. Seit 2019 arbeitet sie im ORA-Forschungsprojekt „GUARD//INT“ (Oversight and intelligence networks: Who guards the guardians?) und leitet zusammen mit Prof. Dr. Jeanette Hofmann das WZB-Team des Projekts. 2018 war Ronja Gastwissenschaftlerin am Sydney Democracy Network an der University of Sydney. Herzlich willkommen, Ronja!

Fellowship von Amélie Heldt

Mit diesem Monat startet Amélie Heldt als neue Fellow bei uns in der Forschungsgruppe. Amélie Heldt ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut. Sie beschäftigt sich mit Plattformregulierung, Social Media Governance, den Auswirkungen neuer Technologien auf Meinungsbildung und öffentlichen Diskurs sowie der Wahrnehmung von Grundrechten im Kontext algorithmischer Entscheidungen und autonomer Systeme. In ihrer Dissertation untersucht sie die Ausstrahlungswirkung der Meinungsfreiheit auf Social Media Plattformen. Amélie ist mit dem Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft assoziiert und war 2019 Visiting Fellow am Information Society Project der Yale Law School. Herzlich willkommen, Amélie!