Kolloquium mit Michael Seemann

Diese Woche hatten wir Michael Seemann in unserem Kolloquium zu Gast und haben mit ihm über die Macht der Plattformen gesprochen. Was sind überhaupt Plattformen? Was kennzeichnet ihre Macht? Und erleben wir gerade einen digitalen Postkapitalismus? Diese und viele weitere Fragen konnten wir gemeinsam diskutieren. Spannende Antworten dazu gibt es auch in Seemanns neuem Buch Die Macht der Plattformen. Politik in Zeiten der Internetgiganten, das im Mai erscheint.

Weizenbaum Colloquium with Irina Kalinka

This week’s issue of Weizenbaum Colloquium was held by our fellow Irina Kalinka, who presented us her dissertation topic „The Political Imaginary of User democracy“.

Contemporary debates about the political impact of digital platforms in the West often revolve around a central, limiting dichotomy: Does digital media revitalize or hurt democracy? Irina’s dissertation project instead shifts the focus to the normative conceptualizations of democracy that are embedded within the platforms themselves. How do they define citizenship, „healthy“ public discourses and the associated practices and pedagogies? Irina understands these underlying assumptions and efforts as the political imaginary of „User Democracy“. She criticizes this notion of democracy, in which subjects are encouraged to imagine themselves as ‚citizen-users‘ of the digital public space provided by platforms. In contrast, she argues for an emancipatory understanding of democracy rooted in the political ethos of (digital) agonism, which emphasizes that popular sovereignty is not an object to be facilitated from above, but a continuous, collective process of struggle around what it means to be in common with others.

Thank you very much, Irina, for your insightful presentation and the subsequent fruitful discussion!

Beitrag für das BPB-Dossier: Politische Bildung in einer digitalen Welt

Illustration: Johanna Benz und Tiziana Beck/graphicrecording.cool – cc by-nc-sa/4.0/deed.de

Für das Dossier „Politische Bildung in einer digitalen Welt“ der Bundeszentrale für Politische Bildung hat Thorsten einen Beitrag mit dem Titel „Demokratie in Zeiten der Digitalisierung“ verfasst. Der Beitrag diskutiert, welchen Einfluss digitale Technologien auf die repräsentative Demokratie haben und welche Bedeutung dem digitalen Strukturwandel von Öffentlichkeit zukommt. Der Beitrag und das ganze Dossier ist selbstverständlich open access und hier zu finden.

In dem Dossier gibt es noch viele weitere Beiträge, die sehr zu empfehlen sind: Etwa von unserer WI-Kollegin Lena Ulbricht zu Digitalisierung und Demokratie im politischen System der BRD, ein Interview mit Julia Kloiber zur digitalen Zivilgesellschaft, einen schönen Text von Kristin Narr und Christian Friedrich zu Medienkompetenz und Digital Literacy und und und.

POLKOMM21: Meinungsbildung und Meinungsmacht in dissonanten Öffentlichkeiten

Mit beinahe 200 Teilnehmer*innen war die diesjährige, Corona-bedingt vollständig online abgehaltene POLKOMM21 am vergangenen Freitag zum Thema „Meinungsbildung und Meinungsmacht in dissonanten Öffentlichkeiten“ ein voller Erfolg. Der Tag begann mit einer Keynote von Axel Bruns aus Australien. Vor dem Hintergrund einer grünen, australischen Sommerlandschaft hielt er einen spannenden Vortrag zum Umgang mit Desinformationen am Beispiel der COVID/5G-Verschwörungstheorien. Es folgten vier Panels mit Schwerpunkten zu Akteur*innen, Polarisierung und rechten Medien, Personalisierung und Vergleichen, in denen die beteiligten Wissenschaftler*innen interessante und detaillierte Einblicke in ihre aktuelle Forschung gaben und mit den Zuhörenden diskutierten. Die Konferenz wurde in diesem Jahr mit dem Weizenbaum-Institut als Gastgeber ausgerichtet, verantwortlich waren neben Thorsten, unser Direktor, Christoph Neuberger, und Ulrike Klinger. Ein besonderes Highlight: Für den informellen Teil haben wir mit gather.town eine Software gefunden, die in Videospiel-Optik ein virtuelles Zusammensitzen in einem Biergarten ermöglichte. Dort fand auch am Abend die virtuelle Cocktail Hour statt, welche wir mit viel Netzwerken, aber auch kleinen Malspielen verbrachten.

Die POLKOMM ist die gemeinsame Jahrestagung der Fachgruppe „Kommunikation und Politik“ der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), des Arbeitskreises „Politik und Kommunikation“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) und der Fachgruppe „Politische Kommunikation“ der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM). Das ganze Programm gibt es nochmal hier: https://www.polkomm2021.de/ – die Tagung nächstes Jahr findet in Trier statt.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten, Vortragenden, Moderator*innen und dem Orga-Team und freuen uns auf eine hoffentlich wieder analog stattfindende Konferenz im nächsten Jahr!

Kolloquium mit Jeanette Hofmann und Bernhard Rieder

In unserem Lektürecolloquium hatten wir heute Jeanette Hofmann und Bernhard Rieder zu Gast, um mit ihnen ihr aktuelles Paper Towards Platform Observability zu diskutieren. In diesem plädieren sie dafür observability anstelle von transparency zum zentralen Konzept in der Diskussion um eine effektive demokratische Regulierung von Plattformen zu machen und damit den Fokus statt auf das reine Offenlegen der „black box“ auf die anspruchsvollen Voraussetzungen zu richten, derer es bedarf, um algorithmische Systeme beobachten, analysieren und so auch regulieren zu können. Zwei Stunden angeregte Diskussion – und wir hätten sicher noch weitermachen können. Danke an unsere Gäste und große Leseempfehlung für alle Interessierten!

CfP: Warum (noch) wählen? Demokratie und die Digitalisierung des Demos (DVPW-Kongress)

Für den vom 14.-16. September 2021 stattfindenden DVPW-Kongress „Wir haben die Wahl! Politik in Zeiten von Unsicherheit und Autokratisierung“ ist jüngst der offene Call for Papers veröffentlicht worden. Noch bis zum 28. Februar habt ihr die Möglichkeit, euch mit Papieren auf insgesamt 98 offene Panelveranstaltungen zu bewerben. Auch von unserer Seite wird es ein Panel geben, konkret verantwortet Thorsten, gemeinsam mit Andreas Jungherr (Jena), einen Panelvorschlag mit dem Titel „Warum (noch) wählen? Demokratie und die Digitalisierung des Demos“ (P197). Die Beschreibung für dieses und viele weitere Panel findet ihr hier auf der DVPW-Kongressseite, hier als auch nicht sehr übersichtliche PDF oder einfach (aber nur uns) direkt unten. Es gibt viele tolle Themen und wir freuen uns sehr über Einreichungen! Alle Infos – und die Eingabemaske – hier auf der Seite.

Warum (noch) wählen? Demokratie und die Digitalisierung des Demos (P197)

Die datenintensive Vernetzung von Wählerschaft und Repräsentant:innen ist ein Großtrend der letzten Dekade. Was zu Beginn des Jahrtausends noch als digitaler Wiedergewinn der bürgernahen und subsidiären „Jeffersonian Democracy“ begrüßt wurde, wird gegenwärtig aber sehr viel skeptischer diskutiert. Herausgegestellt werden die Risiken von Manipulation und Bevormundung sowie der Einfluss von Werbeindustrie und Plattformunternehmen. Eine umfassende Verunsicherung über das Auseinanderfallen des medialen Erfahrungsraums und des demokratischen Erwartungshorizonts politischer Willensbildung ist spürbar. Das Vertrauen in demokratische Entscheidungsfindung sinkt, während das allgemeine Gefühl von Unsicherheit in westlichen Demokratien steigt. Während die Vermessung des politischen Subjekts als solches – bspw. durch die Demoskopie – eine lange Tradition hat und politikwissenschaftlich als gut reflektiert gelten darf, steht die Untersuchung der digitalen Vermessung des Demos noch ganz am Anfang. Demokratische Anforderungen an reflektierte Willensbildung der Bürger*innen treffen hier auf mediale Umgebungen, in denen die Datennutzung nicht alleine mit dem Versprechen auf Einsicht, sondern auf Steuerung verbunden ist. Topoi der Verfügbarkeit, kybernetische Steuerungsutopien und behaviouristische Konzepte auf Basis psychometrischer Profilbildung setzen, verbunden mit den Anreizen der Plattformökonomie, das Leitbild der urteilsfähigen Bürger*in als Referenzpunkt demokratischer Legitimität unter Druck. Die Gefahr einer Autokratisierung mittels Kontrolle und gezielter Manipulation nimmt zu.

Das Panel wird demokratietheoretische Perspektiven und Diskurse in der empirischen Politikforschung zu Wahlen und Digitalisierung zusammenbringen, um so neue Perspektiven auf Wahlen, Wählerbeobachung und politische Willensbildung zu generieren. Im Fokus steht die Frage,welche Formen der Datafizierung im Kontext von Wahlen zu beobachten sind und welche Folgen sich daraus für die Demokratie ergeben.

Leseempfehlung: Artikel von Thorsten zu digitaler Souveränität in der FAZ

Die Forderung nach „Digitaler Souveränität“ hat derzeit Konjunktur – aber was impliziert der Begriff eigentlich und welches Konfliktpotential birgt er? Dieser Frage geht Thorsten in einem heute (25.01) in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichten ganzseitigen Artikel nach. In ihm reflektiert er den begrifflichen Aufstieg digitaler Souveränität und die Ereignisse, die unser gegenwärtiges Verständnis prägen und den Begriff so zentral für den politischen Diskurs machen.  Zugleich problematisiert er aber Souveränität und schlussfolgert, dass es längst bessere, demokratischere Antworten auf die Herausforderunen der digitalen Konstellation gebe als das stets nach Kontrolle strebende und wenig zum europäischen Projekt passende Konzept der Souveränität. Nachzulesen ist der Text hier in der heutigen Ausgabe der FAZ (Multimedia-Edition) — Update: Und mittlerweile auch hier auf der Webseite der FAZ.

POLKOMM 21: Meinungsbildung und Meinungsmacht in dissonanten Öffentlichkeiten

Die Anmeldung zur POLKOMM 21 ist offen! Interessierte können sich unter team@polkomm2021.de kostenlos anmelden.

Die POLKOMM 21 findet am 12. Februar 2021 virtuell unter dem Titel „Meinungsbildung und Meinungsmacht in dissonanten Öffentlichkeiten“ statt. Es erwarten Euch 17 spannende Vorträge und eine Keynote von Axel Bruns. Hier geht es zum Programm. Die gemeinsame Jahrestagung der Fachgruppe „Kommunikation und Politik“ der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), des Arbeitskreises „Politik und Kommunikation“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) und der Fachgruppe „Politische Kommunikation“ der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM) wird in diesem Jahr vom Weizenbaum-Institut gehostet und findet aufgrund der Corona-Pandemie komplett online statt. Mit der Anmeldung erhalten die Teilnehmer*innen den Link zur Tagung. Außerdem wartet auf alle, die sich bis zum 29. Januar angemeldet haben, eine kleine Überraschung!

Jahresrückblick 2020: DigiDem

2020 neigt sich dem Ende zu und auch für unsere Forschungsgruppe schließt sich so der Kreis eines außergewöhnlichen Jahres. Doch bevor wir ihm den Rücken kehren, wollen wir mit euch noch einmal einen Blick zurückwerfen auf das, was uns im letzten Jahr beschäftigt hat, die – teils ungewöhnlichen – Formate mit denen wir unserer Arbeit nachgingen und die Menschen, die uns in diesem Jahr begleitet haben.

Los geht’s mit: Corona. Klar, auch die Arbeit bei uns war wesentlich von der Pandemie und ihrer Bekämpfung geprägt, mit dem Nebeneffekt, dass wir problemlos einen Fotokalender fürs neue Jahr mit Zoom-Screenshots unserer Forschungsgruppe füllen könnten. Aber das ist nicht worauf wir hinaus wollen, vielmehr hat Corona und die gesellschaftlich-politischen Folgen auch als Forschungsgegenstand unser Jahr geprägt. Jeanette Hofmann hat aus einer Infrastrukturperspektive über die Corona-App und Contact Tracing geschrieben und wir anderen haben im Laufe der Monate einen genaueren Blick auf den WirVsVirus Hackathon und dessen demokratietheoretische Bewertung geworfen: In den WZB-Mitteilungen noch vor allem die darin stattfindende Konstitution einer Krisengemeinschaft in den Blick nehmend, haben wir den Hackathon mittlerweile noch weiter aufgearbeitet und hoffen im neuen Jahr eine vielschichtigerer Abhandlung im längeren Journal-Format präsentieren zu können. In der fragen wir dann aus repräsentationstheoretischer Perspektive nach demokratischen Verdiensten und Versäumnissen. Weiterlesen

Neue Publikation: Digital Sovereignty

In der Reihe „Concepts of the Digital Society“ der Zeitschrift Internet Policy Review ist ein neuer Aufsatz von Thorsten mit dem Titel „Digital Sovereignty“ erschienen (gemeinsam mit Julia Pohle). In diesem gehen die beiden der Frage nach, wie das Konzept digitaler Souveränität seine heutige Popularität erlangte. Von den Anfängen des Diskurses zu Cybersovereignty bis hin zum heutigen, sehr umfassenden Souveränitätsverständnis zeichnen sie nach, wie Souveränität diskursiv (re-)produziert wird und was insbesondere auf deutscher und europäischer Ebene mittlerweile mit dem Begriff gemeint wird. Neben dem Aufsatz sind auch vier weitere neue Konzepte veröffentlicht worden – insgesamt nun elf -, die einen Blick lohnen: Cybersecurity, Algorithmic Bias, Digital Commons, Smart Technologies. Alle Konzepte finden sich hier und hier kommt ihr direkt zu unserem Aufsatz (selbstverständlich Open Access). Weiterlesen